Bergfexin

Cima Brenta

mountaineering

WS+ III C

3151 m

11 km

1800 Hm

750 Hm

2 Tage

Vallesinella

Rifugio Tuckett

Seit dem Abschmelzen des Gipfelgletschers der Cima Tosa ist die Cima Brenta der höchste Gipfel der Brentagruppe. Obwohl die Gruppe geologisch zu den Dolomiten zählt, trennt das breite Etschtal (Valle dell’Adige) diesen Gebirgsstock klar vom restlichen Dolomitengebiet. Gerade diese isolierte Lage zwischen der vergletscherten Adamellogruppe, den grünen Bergen des Trentino und den tief eingeschnittenen Tälern mit ihren Apfelplantagen macht die Brenta so einzigartig.

Berühmt ist die Brenta vor allem für ihre spektakulären „Brentasteige“ – ein zusammenhängendes Netz aus schmalen Bändern und luftigen Eisenleitern, das es ermöglicht, das gesamte Gebirge in mehreren Tagen zu durchqueren. Abgesehen von einigen bei Extremkletterern begehrten Türmen sind die Gipfel der Brenta selten besucht – einschließlich der Cima Brenta.

Die einfachste Route, der Weg der Erstbesteiger über den Brentagletscher und Westgrat, wird heute kaum noch begangen. Als Standardaufstieg gilt mittlerweile die Südwandroute (III+). Daneben existiert noch eine kurze Variante vom Sentiero Bocchette Alte, die für «echte» Kletterer allerdings wenig reizvoll ist. Sie eignet sich vor allem für Bergsteiger oder Ferratisti mit etwas Alpinklettererfahrung. Vom Klettersteig bis zum Gipfel sind es zwar nur etwa 150 Höhenmeter – dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Diese Route ist eine ernsthafte alpine Unternehmung, die Klettererfahrung sowie entsprechende Ausrüstung voraussetzt.

Die Schlüsselstelle wird in den meisten Führern mit II+ bewertet – eine Einstufung, die den konservativen Dolomitenbewertungen geschuldet ist. Realistisch sollte man sich den IV. Schwierigkeitsgrad zutrauen, um diese Passage sicher zu meistern. Die Route ist mittlerweile mit neuen Bohrhaken und eingerichteten Abseilstellen gut ausgestattet.

Tag 1: Vallesinella – Rifugio Tuckett (750 Hm, 5 km, ca. 1:45 h)
Vom großen Parkplatz geht es zunächst durch ein Holztor über einen Bach und dann durch dichten Buchenwald zum Rifugio Casinei. Anschließend führt der Weg zunächst durch Lärchenwald und später über eine Felsblockebene mit herrlicher Aussicht direkt zum Rifugio Tuckett. Tipp: Ein interessanterer Zustieg zum Rifugio Tuckett ist über die Ferrata Alfredo Benini (B) von der Grostè-Seilbahn aus. 

Tag 2: Sentiero Bocchette Alte & Cima Brenta (1050 Hm ↑, 700 Hm ↓, 6 km, ca. 9,5 h)

Zustieg via Sentiero Bocchette Alte «Nord» (750 Hm, ca. 2,5 h)
Der Aufstieg zur Bocca del Tuckett ist recht mühsam. Da der Gletscher inzwischen verschwunden ist, sind Steigeisen und Pickel nicht mehr nötig, dafür geht es in losem, steilem Geröll hinauf. Auf Höhe des geröllbedeckten Firnrests beginnt ein gesicherter Steig, der über die Felsen auf der linken Seite der Rinne zur Bocca del Tuckett führt.
An der Bocca del Tuckett wird das Klettersteigset angelegt, denn nun beginnt der Sentiero Bocchette Alte. Bis zur Cima Brenta handelt es sich um den leichteren Teil des Steigs: kurze Leitern wechseln sich mit breiten Bändern ab, die Ausgesetztheit des Garbari-Bandes ist moderat.
Achtung, der Abzweig zur Cima Brenta ist leicht zu übersehen! Wenn ihr eine tiefe Schlucht mit Brücke seht, seid ihr schon zu weit! Der Abzweig befindet sich vor einer Metalltafel mit der Aufschrift „Società degli Alpinisti Tridentini – Cengia Carlo Giuseppe Garbari“, zusätzlich markieren zahlreiche Steinmännchen den Weg. Der Aufstieg beginnt an einer breiten Stelle des Garbari-Bandes, fast schon wie ein Plateau, sodass man keinen grossen «Tiefblick» hat.

Blick auf die Schlüsselstelle. Die Personen befinden sich an der unteren Abseilstelle über der "IVer"-Wand mit Fixseil. Beim roten Kreis befindet sich eine weitere Abseilstelle. Darüber geht es wie von der roten Linie angedeutet über Ier Stufen durch einen Einschnitt weiter.
Exkurs zur Cima Brenta (150 Hm, 1,5 h ↑, 1 h ↓)  Zunächst kraxeln wir ein paar Ier Stufen hinauf und erreichen den Rand einer steilen Rinne, in der wir auf die rechte Seite queren. In der Rinne klettern wir zum gut sichtbaren ersten Abseilstand hinauf, hier treten bereits steile IIer-Kletterstellen auf. Steinmännchen und weitere Abseilstellen markieren den Weg. Man bewegt sich überwiegend in oder rechts der Rinne. Kurz unterhalb der Cima Vallesinella steigt man nach links auf einen Sattel, den Gipfel betreten wir nicht. Dort seilen wir an einem Abseilstand in die Scharte ab, welche die Cima Vallesinella von der Cima Brenta trennt. Ein kurzer Schuttrücken zwischen zwei Geröllcouloirs führt zur Schlüsselstelle: Eine kurze, vertikale Wand im oberen dritten (mit Fixseil) bzw. unteren vierten Grad. In der Wand stecken zwei Bohrhaken, im oberen hängt ein Fixseil. Vom Stand oberhalb der Wand klettert man etwas weiter und erreicht eine weitere Abseilstelle. Anschliessend quert man auf einem Schuttband erst leicht rechts, dann links «ums Eck» und erreicht über etwas ausgesetzte Ier Stufen in einem Einschnitt den unkomplizierten Gipfelgrat. Vom Gipfel gehen wir zurück zum oberen Stand über der Schlüsselstelle und seilen ab. Auf der anderen Seite des Verbindungsgartes muss die zuvor abgeseilte Mauer hochgeklettert werden (III-, 2 Bohrhaken). In der Rinne gibt es vier Abseilstellen à 20 m. Die Abseilstellen befinden sich immer ausserhalb der Rinne, sodass man beim Seilabziehen vor Steinschlag geschützt ist.
Die Schlüsselstelle mit Fixseil. Es gibt zwei Bohrhaken.

Abstieg über den Sentiero Bocchette Alte «Sud» zum Rifugio Alimonta (550 Hm ↓, 150 ↑, 3 h)
Die schwierigste Passage des Klettersteigs folgt direkt nach der Cima Brenta: Steil und mit viel Luft unter den Füssen geht es in eine Schlucht hinunter (B/C), die dann auf einer Hängebrücke überquert wird. Danach geht es entspannter weiter zum Spalla di Brenta, einem tollen Aussichtspunkt. Über einen schmalen Grat erreicht man den Fuß der Scala degli Amici (B), der längsten Leiter des Steigs. Die Leiter endet auf dem Spallone dei Massodi, wo man optional dem Gipfel einen kurzen Besuch abstatten kann (schöner Pausenplatz). Danach führt ein Wechsel aus gesicherten Passagen, Geröllpfaden und kurzen Leitern zur Bocchetta Bassa del Massodi, einer weiteren Schlucht, welche den Spallone dei Massodi von der Cima di Molveno trennt. Hier verzweigt sich der Klettersteig:

  • Schwierige Variante: Sentiero Detassis: 100 Hm Abstieg über vertikale Leitern, deutlich kraftintensiver.
  • Leichte Variante: Sentiero Umberto Quintavalle: Zunächst anstrengender Quergang (B/C) in der Schluchtwand, dann Leiter auf das Schuttplateau unter der Cima di Molveno, Abstieg in den Geröllkessel unter dem Sfulmini-Gletscher. Von dort ist das Rifugio Alimonta in 15 Minuten erreicht.