Cima Brenta
Seit dem Abschmelzen des Gipfelgletschers der Cima Tosa ist die Cima Brenta der höchste Gipfel der Brentagruppe. Obwohl die Gruppe geologisch zu den Dolomiten zählt, trennt das breite Etschtal (Valle dell’Adige) diesen Gebirgsstock klar vom restlichen Dolomitengebiet. Gerade diese isolierte Lage zwischen der vergletscherten Adamellogruppe, den grünen Bergen des Trentino und den tief eingeschnittenen Tälern mit ihren Apfelplantagen macht die Brenta so einzigartig.
Berühmt ist die Brenta vor allem für ihre spektakulären „Brentasteige“ – ein zusammenhängendes Netz aus schmalen Bändern und luftigen Eisenleitern, das es ermöglicht, das gesamte Gebirge in mehreren Tagen zu durchqueren. Abgesehen von einigen bei Extremkletterern begehrten Türmen sind die Gipfel der Brenta selten besucht – einschließlich der Cima Brenta.
Die einfachste Route, der Weg der Erstbesteiger über den Brentagletscher und Westgrat, wird heute kaum noch begangen. Als Standardaufstieg gilt mittlerweile die Südwandroute (III+). Daneben existiert noch eine kurze Variante vom Sentiero Bocchette Alte, die für «echte» Kletterer allerdings wenig reizvoll ist. Sie eignet sich vor allem für Bergsteiger oder Ferratisti mit etwas Alpinklettererfahrung. Vom Klettersteig bis zum Gipfel sind es zwar nur etwa 150 Höhenmeter – dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Diese Route ist eine ernsthafte alpine Unternehmung, die Klettererfahrung sowie entsprechende Ausrüstung voraussetzt.
Die Schlüsselstelle wird in den meisten Führern mit II+ bewertet – eine Einstufung, die den konservativen Dolomitenbewertungen geschuldet ist. Realistisch sollte man sich den IV. Schwierigkeitsgrad zutrauen, um diese Passage sicher zu meistern. Die Route ist mittlerweile mit neuen Bohrhaken und eingerichteten Abseilstellen gut ausgestattet.
Tag 1: Vallesinella – Rifugio Tuckett (750 Hm, 5 km, ca. 1:45 h)
Vom großen Parkplatz geht es zunächst durch ein Holztor über einen Bach und dann durch dichten Buchenwald zum Rifugio Casinei. Anschließend führt der Weg zunächst durch Lärchenwald und später über eine Felsblockebene mit herrlicher Aussicht direkt zum Rifugio Tuckett. Tipp: Ein interessanterer Zustieg zum Rifugio Tuckett ist über die Ferrata Alfredo Benini (B) von der Grostè-Seilbahn aus.
Tag 2: Sentiero Bocchette Alte & Cima Brenta (1050 Hm ↑, 700 Hm ↓, 6 km, ca. 9,5 h)
Zustieg via Sentiero Bocchette Alte «Nord» (750 Hm, ca. 2,5 h)
Der Aufstieg zur Bocca del Tuckett ist recht mühsam. Da der Gletscher inzwischen verschwunden ist, sind Steigeisen und Pickel nicht mehr nötig, dafür geht es in losem, steilem Geröll hinauf. Auf Höhe des geröllbedeckten Firnrests beginnt ein gesicherter Steig, der über die Felsen auf der linken Seite der Rinne zur Bocca del Tuckett führt.
An der Bocca del Tuckett wird das Klettersteigset angelegt, denn nun beginnt der Sentiero Bocchette Alte. Bis zur Cima Brenta handelt es sich um den leichteren Teil des Steigs: kurze Leitern wechseln sich mit breiten Bändern ab, die Ausgesetztheit des Garbari-Bandes ist moderat.
Achtung, der Abzweig zur Cima Brenta ist leicht zu übersehen! Wenn ihr eine tiefe Schlucht mit Brücke seht, seid ihr schon zu weit! Der Abzweig befindet sich vor einer Metalltafel mit der Aufschrift „Società degli Alpinisti Tridentini – Cengia Carlo Giuseppe Garbari“, zusätzlich markieren zahlreiche Steinmännchen den Weg. Der Aufstieg beginnt an einer breiten Stelle des Garbari-Bandes, fast schon wie ein Plateau, sodass man keinen grossen «Tiefblick» hat.
Abstieg über den Sentiero Bocchette Alte «Sud» zum Rifugio Alimonta (550 Hm ↓, 150 ↑, 3 h)
Die schwierigste Passage des Klettersteigs folgt direkt nach der Cima Brenta: Steil und mit viel Luft unter den Füssen geht es in eine Schlucht hinunter (B/C), die dann auf einer Hängebrücke überquert wird. Danach geht es entspannter weiter zum Spalla di Brenta, einem tollen Aussichtspunkt. Über einen schmalen Grat erreicht man den Fuß der Scala degli Amici (B), der längsten Leiter des Steigs. Die Leiter endet auf dem Spallone dei Massodi, wo man optional dem Gipfel einen kurzen Besuch abstatten kann (schöner Pausenplatz). Danach führt ein Wechsel aus gesicherten Passagen, Geröllpfaden und kurzen Leitern zur Bocchetta Bassa del Massodi, einer weiteren Schlucht, welche den Spallone dei Massodi von der Cima di Molveno trennt. Hier verzweigt sich der Klettersteig:
- Schwierige Variante: Sentiero Detassis: 100 Hm Abstieg über vertikale Leitern, deutlich kraftintensiver.
- Leichte Variante: Sentiero Umberto Quintavalle: Zunächst anstrengender Quergang (B/C) in der Schluchtwand, dann Leiter auf das Schuttplateau unter der Cima di Molveno, Abstieg in den Geröllkessel unter dem Sfulmini-Gletscher. Von dort ist das Rifugio Alimonta in 15 Minuten erreicht.






























































