Bergfexin

Cima de‘ Piazzi

mountaineering

T5- I B

3439 m

23 km

1850 Hm

8 h

Eita

Rifugio Eita

Die Cima de’ Piazzi gehört mit einer Schartenhöhe von 1212 m zu den markantesten Bergen der Alpen. Dennoch ist der Hauptgipfel der Livigno-Alpen außerhalb der Lombardei nur wenig bekannt – vermutlich aufgrund seiner Lage zwischen der höheren Bernina- und Ortlergruppe. Von Einheimischen wird der Gipfel trotz der Länge der Tour im Hochsommer jedoch erstaunlich häufig bestiegen – so exklusiv, wie man vermuten könnte, ist das Ziel also nicht. Die steile Nordseite der Cima de‘ Piazzi vergletschert und wird vor allem im Frühjahr als Skihochtour begangen. Der Normalweg vom Passo di Verva ist im Hochsommer in der Regel eis- und schneefrei; die Firnreste in der Südwestflanke sind verschwunden. Damit ist die Besteigung auch für alpin erfahrene und konditionsstarke Bergwanderer machbar – vorausgesetzt, man bringt Ausdauer für über 1800 Höhenmeter Aufstieg an einem Tag mit, denn entlang der Route gibt es weder Hütte noch Biwak. Der beste Ausgangspunkt für die Tour ist das Rifugio Eita, von dem aus sich der Passo di Verva am schnellsten erreichen lässt. Zusätzlich profitiert man hier von der idyllischen Lage und der ausgezeichneten Küche. Vom Passo di Verva bis zum Lago Spalmo di Verva ist der Weg nicht immer eindeutig; Steinmännchen und Wegspuren erleichtern jedoch die Orientierung. Ab dem See ist der Steig rot-weiß markiert. Bis auf den mit Ketten gesicherten, exponierten Gipfelturm ist die Tour bei schneefreien Bedingungen moderat schwierig (T4). Aufgrund der zwar kurzen, aber stark ausgesetzten Passage am Gipfelturm sollte man sich jedoch auch im T5-Bereich sicher bewegen können.

Unsere Tour beginnt mit einem Aufstieg vom Rifugio Eita zum Passo di Verva. Das Schottersträßchen ermöglicht einen zügigen Start, und nach etwa 1½ Stunden ist der Pass erreicht. Vom Pass folgen wir einer Fahrspur zu einem Teich. Hier gabelt sich der Weg: Ein Pfad führt nach rechts bergauf zum Lago di Maurignino (Variante), der Standardweg verläuft geradeaus weiter Richtung Torrente Val Verva. Nun steigt man über einen Grasrücken neben dem Bach bergauf. In diesem Abschnitt sind Wegspuren spärlich, doch die Orientierung ist intuitiv. Man erreicht eine sumpfige Ebene und hält auf einen Aufschwung rechterhand zu. Nach dessen Überquerung gelangt man in ein schottriges Bachbett, in dem neben Steinmännchen auch weiße Markierungen den Weg weisen. Der Bach entspringt dem Lago Spalmo di Verva – ab dem See ist der Weg regelmäßig rot-weiß markiert. 

Die Markierungen führen über eine steile Moräne in einen weiten Geröllkessel, der einst einen kleinen Gletscher beherbergte. Wichtig: Nicht den Stangen folgen, die in den linken Hang hinaufführen – dieser obere Weg wurde verschüttet. Stattdessen sollte man die Mitte des Kessels anpeilen. Dort finden sich neue Markierungsstangen und eine deutliche Spur, die an den Fuß eines Schuttcouloirs führt. Für diese Passage empfiehlt sich ein Helm, da Steinschlag nicht ausgeschlossen ist. Zudem kann im Couloir Schmelzwasser laufen – bei Vereisung wird die Stelle rasch heikel. 

Oberhalb des Couloirs quert der Weg durch einen weiten Geröllhang zum Grat, über den man unschwierig den Vorgipfel erreicht. Der Übergang zum Gipfelturm erfolgt über den flachen Rest des Piazzi-Gletschers – Steigeisen sind dort in der Regel nicht nötig. 


Der Gipfelturm ist mit Ketten gesichert. Wer sich sicherer fühlt, kann dafür einen Gurt mit Schlinge oder Klettersteigset mitbringen. Die Schlüsselstelle liegt nur wenige Meter unter dem Gipfelkreuz: Die Kette zieht dort über eine etwa vier Meter hohe, glatte Platte hinauf. Alternativ kann man ein paar Schritte absteigen und ungesichert über eine schmale Leiste queren – sehr ausgesetzt! Der Gipfel selbst bietet nur wenig Platz. Für eine entspannte Pause empfiehlt sich der breite, nicht ausgesetzte Ostgipfel.

Abstieg wie Aufstieg – oder alternativ über den Lago Nero, wobei ein kurzer Gegenanstieg zu bewältigen ist. Auch der türkisblaue Lago Spalmo di Verva und das Aque Sparse weiter unten lohnen einen kurzen Abstecher.